Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir haben nun viel gehört, meist wurde gesagt, dass die Schließung der 24/7-Notfallversorgung und danach der Klinik in Breisach „alternativlos“ sei.
Das Argument „alternativlos“ schließt Alternativen a priori aus und sollte deshalb nicht in das Repertoire von Entscheidungsträgern gehören.
Lassen Sie mich zunächst etwas zum „Gutachten zur Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg“ sagen. Gutachten sind immer eine gute Sache, deshalb heißen sie auch Gutachten.
Ja, es ist sehr positiv, dass es in der Region eine Uniklinik gibt, die für lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall etc. spezialisiert ist. Wie gesagt: für lebensbedrohliche Erkrankungen.
Solche lebensbedrohlichen Erkrankungen werden in der Helios-Rosmann-Klinik nicht behandelt. Dafür sind spezialisierte Krankenhäuser wie die Uniklinik zuständig. Und das ist auch gut so.
Daneben gibt es aber zahlreiche nicht so bedrohliche Krankheitsbilder. Plötzliche Verschlechterungen bei Pflegebedürftigen zuhause, Fahrradunfälle, Bissverletzungen etc., die zu jeder Tages-und Nachtzeit, auch am Wochenende auftreten können.
Da ist es wichtig, dass es eine rund um die Uhr verfügbare Notfallversorgung vor Ort gibt, um den Sachverhalt abzuklären. Sonst müssten die betroffenen Patienten zur Uniklinik fahren, um dort in einer überfüllten Notfallambulanz auszuharren. Die im Gutachten angegebene Fahrtzeit von 30 Minuten von Breisach nach Freiburg ist nur im Rettungsauto mit Blaulicht zu schaffen.
Deshalb werden wohl viele Betroffene den Aufwand scheuen, auch weil sie keine ExpertInnen sind und das Risiko nicht einschätzen können, und erst am nächsten Morgen oder gar zu Wochenanfang den Hausarzt aufsuchen. Und da kann aus einem eigentlich harmlosen Kratzer längst eine dicke Blutvergiftung geworden sein.
Der Wegfall einer rund um die Uhr verfügbaren Notfallversorgung bedeutet somit eine erhebliche Verschlechterung der medizinischen Sicherheit im gesamten Einzugsgebiet Breisach.
Und noch etwas: Nicht jeder Herzinfarkt zeigt sich sofort durch typische Brustschmerzen. Häufig treten stattdessen Rückenschmerzen, Bauchschmerzen oder Übelkeit auf – insbesondere bei Frauen. Wenn dieser Herzinfarkt dann in Breisach erkannt wird, kann der Patient mit Tatütatü schnellstmöglich im Rettungswagen nach Freiburg gebracht werden. Schilderungen von Betroffenen haben gezeigt, dass dadurch schon Menschleben gerettet werden konnten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Eine Schließung der 24/7 Notfallambulanz in Breisach würde die heute schon chronisch überlastete Notfallaufnahme der Uniklinik noch weiter belasten. Damit wäre auch die Bevölkerung rund um Freiburg von der Schließung massiv betroffen.
Und der Erhalt der Breisacher Klinik würde auch den Klinikbetrieb in Freiburg entlasten, da in Breisach auch „kleinere“ Behandlungen durchgeführt werden können, die keiner Spezialklinik bedürfen.
Und last not least: Erinnern Sie sich noch an die Corona-Epidemie? Erinnern Sie sich noch, wie wichtig es damals war, dass es in Breisach eine Klinik mit einem Bettenangebot gab?
Darf ich Sie an den Kreistagsbeschluss vom 17. Dezember 2018 (DRS 141b/2018) erinnern? Dieser legte unmissverständlich fest:
„Das übergreifende Ziel muss folglich sein, die sogenannte stationäre Notfallversorgung in der Region, einschließlich der HELIOS Rosmann Klinik Breisach, nachhaltig zu stärken. Das ist ein grundlegendes ureigenes Anliegen des Landkreises selbst – unabhängig von dessen Stellung als Gesellschafter der HELIOS-Kliniken im Landkreis.“
Dieser Beschluss zeigt klar, dass der politische Wille des Landkreises auf den Erhalt und die Stärkung der stationären Notfallversorgung gerichtet war – nicht auf deren Abwicklung.
Spätestens seit 2018 hat Helios, die Tochter des börsennotierten Fresenius-Konzerns, die Klinik in Breisach systematisch heruntergewirtschaftet. Leistungen wurden gestrichen, Abteilungen geschlossen, Personal abgebaut – Schritt für Schritt wurde das Krankenhaus geschwächt, um nun seine Schließung als „alternativlos“ zu verkaufen.
Dabei war der Niedergang kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Untätigkeit. Seit Jahren liegen die Warnungen auf dem Tisch. ÄrztInnen, Pflegepersonal, Bürgerinnen und Bürger haben Alarm geschlagen – doch die Verantwortlichen in der Kreispolitik haben weggeschaut. Jetzt soll der Kotau vor den Profitinteressen eines Konzerns folgen, der Jahr für Jahr Millionen Gewinne einfährt.
Das darf nicht hingenommen werden! Gefragt ist hingegen jetzt eine mutige, gemeinwohlorientierte Entscheidung – für die Menschen vor Ort, für eine verlässliche 24/7-Notfallversorgung und für den Erhalt der Klinik Breisach. Wer Verantwortung trägt, muss dieser Verantwortung auch gerecht werden: der öffentlichen Verantwortung für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.
Fachärztinnen, Notfallmediziner und Hausärzte aus der Region sagen klar: Ein ambulantes Versorgungszentrum mag ein Trostpflaster sein, aber kein adäquater Ersatz für ein Krankenhaus. Wir brauchen eine starke Klinik mit 24/7-Notfallversorgung vor Ort.
Lassen Sie uns doch auf die Expertise von ExpertInnen vor Ort hören.
An dieser Stelle möchte ich noch ein Statement von Dr. Armin Hartmann, Leitender Notarzt Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, vortragen, das er am Samstag, den 8. November 2025 unter dem Titel „Mein Wort zum Sonntag“ gepostet hat:
„Die Schließung wurde über 7 Jahre bereits geplant und vorbereitet…das haben wir Notärzte über den gleichen Zeitraum IMMER auch so kommuniziert und unmissverständlich aufgezeigt…den Kreistag, Bürgermeister, Landrätin (Landrat) hat es genervt. Jetzt ist es genauso gekommen: Vielleicht sollte man sich immer mal die Agenda und Zielsetzungen von Konzernen und verantwortlichen Unternehmen rechtzeitig anschauen…dann hätte man keine hellseherische Fähigkeit gebraucht, um zu erkennen was definitiv kommt!!“
In der Vorlage ist zu lesen: “Ein weiterer Baustein der geplanten Notfallreform um eine bessere Patientensteuerung zu gewährleisten, ist die Schaffung sogenannter Integrierter Notfallzentren (INZ) mit „gemeinsamen Tresen“ von der KV-Notfallpraxis des ÄBD und der Notaufnahme der Klinik.“ Da wird wohl ein Wolkenkuckucksheim aufgebaut. Denn, wie in der Vorlage selbst zu lesen ist, bedarf es zweier Partner: KV-Notfallpraxis und Notaufnahme der Klinik. Nun, die Notaufnahme samt Klinik soll ja abgewickelt werden. Dieser Partner kommt also abhanden. Und der zweite Partner, die KV-Notfallpraxis ist zwingend an ein Krankenhaus mit Notaufnahme gebunden. Und das gibt es ja nicht mehr. Zudem sieht die Bedarfsplanung nur eine KV-Notfallpraxis vor und die gibt es in Titisee-Neustart. Aus diesem Grund musste ja die KV-Notfallpraxis in Müllheim schießen. Trotz massivem Protest aus der Bevölkerung.
Im Zukunftskonzept Gesundheitscampus Breisach wird nach der Schließung des Krankenhauses der Aufbau eines ambulanten OP-Zentrums durch das bereits bestehende Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als Maßnahme zur Sicherung der medizinischen Versorgung angeführt. Wie passt dieses Ziel zu den aktuellen Fakten aus der fachlichen Stellungnahme zur Gesundheitsversorgung vom 03.11.2025, wonach nach Bedarfsplanung der KV sämtliche relevanten fachärztlichen Zulassungen – etwa für Chirurgie und Orthopädie – für Neuzulassungen in Breisach seit Jahren gesperrt sind, und nur eine halbe Hausarztstelle überhaupt noch offen ist?
Somit wird auch dies wohl reines Wunschdenken bleiben und die Frage drängt sich auf, wie soll dann eine bedarfsgerechte Versorgung in der Region nach Schließung des Krankenhauses konkret aussehen?“